Bonner Nutzpflanzen: Kiwis und Granatäpfel

Nein, unter einer Rabatte voller süß duftender Kiwifrüchte bin ich in Bonn definitiv noch nie gestanden. Ich wusste bisher auch nicht, dass man hier im Freiland Orangen, Pistazien und Granatäpfel ernten kann. Genauso wenig war ich bisher vertraut mit alten rheinischen Tomaten- und Bohnensorten, die früher gang und gäbe waren und heute wiederentdeckt und kultiviert werden. Ein Besuch im Nutzgarten des Botanischen Gartens Bonn macht diese Erfahrungen möglich.

Ein Biotop für Nutzpflanzen jeder Art beherbergt der Botanische Garten Bonn in seinem auf drei Areale aufgeteilten Nutzgarten. Professor Dr. Maximilian Weigend, Direktor des Botanischen Gartens, führte uns im Rahmen der BonnTour2020 durch die beachtliche Sammlung von Nutzpflanzen aller Art, die seit über 100 Jahren von diversen passionierten Direktoren des Botanischen Gartens zusammengetragen worden sind.

Wir wollten wissen, wie sich der Klimawandel auf die Biodiversität im Botanischen Garten und in der gesamten Bonner Stadtflora auswirkt. Dass beispielsweise Fichten unter Trockenheit, Hitze und der Belastung durch Borkenkäfer massiv leiden, ist mittlerweile allseits bekannt. Weniger bekannt ist aber, dass der Klimawandel auch Raum für neue Arten schafft, die sich hier bestens einfügen – beispielsweise bestimmte Eichenarten aus dem südeuropäischen Raum oder auch Beerensträucher aus den trockenen Regionen Amerikas, die mittlerweile besser gedeihen als einheimische Sorten. Das Setzen von Zitronenbäumen in die Stadtlandschaft ist mittlerweile ebenso vorstellbar wie die Anpflanzung von Pinien, Pistazien- und Feigenbäumen. Vögel und Insekten kommen gut mit den neuen Sorten klar, solange das Angebot an Pollen und Nektar insgesamt reichlich und vielfältig bleibt. Der Botanische Garten bietet wie in einem Brennglas die Möglichkeit, das Miteinander von Pflanzen und Tieren unter den neuen klimatischen Bedingungen zu beobachten. Dabei spielt beispielsweise auch die Erforschung handelsüblicher Wildkräutermischungen und deren Akzeptanz bei der Insektenwelt eine Rolle.

Doch der Klimawandel hat auch Konsequenzen für die Pflege des Stadtgrüns. So macht es immer weniger Sinn und ist für die Pflanzen auch zunehmend zerstörerisch, im bisherigen Rhythmus Grünflächen zu mähen. Auch sollte auf andere Grassorten zurückgegriffen werden, die mit weniger Wasser und Pflege klarkommen und der normalen Belastung – beispielsweise in den städtischen Parkanlagen – problemlos gewachsen sind.

Auch die Gartenbesitzer*innen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die biologische Vielfalt in Bonn erhalten bleibt. Die aktuelle Mode, den Vorgarten unter Schottermassen zu begraben, schadet nicht nur Vögel. Und Insekten, die keine Nahrung mehr finden. Diese Steinwüsten heizen die Straßen zusätzlich auf und mindern damit auch die Lebensqualität der Menschen.

Zum Abschluss kommen wir ins Plaudern darüber, was bei der Gestaltung von städtischen Plätzen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schiefgelaufen ist. Die Stadt braucht mehr Grün auf Straßen, Plätzen und Fassaden, aber auch mehr Wasser in Form von Brunnen und kleinen Rinnsalen. Dadurch könnte die Temperatur in der Stadt um mehrere Grad sinken, und die Luft würde feuchter und kühler. Ein Negativbeispiel ist hier leider die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, wo auf solche Belange keine Rücksicht genommen wurde.

Bonn bietet insgesamt viel lebenswertes Grün, das wir erhalten und schützen müssen – im Interesse von Menschen und Tieren.. Ich habe verstanden: Wir können den Klimawandel nicht rückgängig machen, noch können wir ihn aber stoppen und uns auf die neuen Bedingungen einstellen.

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