Corona und die diakonische Arbeit

Wenn wir vom »die« zum »wir« kommen, gibt es wirklich Hoffnung für eine solidarische Gesellschaft.“

Diese Äußerung von Ulrich Hamacher, Chef des Diakonischen Werkes Bonn und Region, beschäftigt mich noch lange nach dem Ende unserer Videokonferenz. Zusammen mit Katja Dörner, unserer grünen OB-Kandidatin, und Tim Achtermeyer, der mit mir die Bonner Ratsliste von Bündnis 90/Die Grünen anführt, war ich digital zu Gast bei Herrn Hamacher und Andrea Hillebrand, Stabsstelle Öffentlichkeit der Diakonie. Das Gespräch haben wir gesucht, um mehr über die derzeitige Situation der diakonischen Arbeit unter den Bedingungen der Corona-Krise zu erfahren. Außerdem möchten wir wissen, wo das Diakonische Werk die zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre sieht und wie wir aus der Kommunalpolitik heraus diese Arbeit unterstützen können.

Es überrascht nicht, dass das Gespräch schnell auf die prekäre Situation von Kindern und Jugendlichen im Lockdown kommt. Die soziale Schere klafft heute noch weiter auseinander als zuvor. Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind deutlich schlechter ausgestattet mit passenden digitalen Endgeräten und können deshalb nur erschwert oder gar nicht am digitalen Unterricht teilnehmen. Auch die Unterstützung der Kinder in ihren Familien kommt schnell an ihre Grenzen, wenn die Eltern beispielsweise die deutsche Sprache nicht gut sprechen oder mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. Die beengte Wohnsituation trägt ebenfalls wenig dazu bei, den Kindern das Lernen in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Deshalb sind die wichtigsten Lehren aus der Coronakrise auch mehr Einsatz bei der Digitalisierung und der besseren Ausstattung vor allem von Brennpunktschulen.

Dass die Coronakrise gerade auch die ohnehin schon Benachteiligten der Gesellschaft besonders stark trifft, macht Ulrich Hamacher am Beispiel der Unterkünfte für Geflüchtete deutlich. Durch das enge Zusammenleben der Menschen fällt es sehr schwer, ausreichend Abstand zu halten und die notwendigen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Wenn dazu noch sprachliche Barrieren und kulturelle Gepflogenheiten wie der hohe Wert des gemeinschaftliches Essens kommen, kann sich das Virus ungehemmt ausbreiten. Menschen in Alten- und Pflegeheimen leiden dagegen weniger unter schlechten hygienischen Umständen, sondern unter der massiven Isolation und der Trennung von ihren Liebsten „draußen“.

Corona setzt auch andere Akzente für die soziale Landschaft. Beispiel Beratungsdienste: Viele Beratungen finden mittlerweile online oder per Telefon statt. Der Aufwand dafür ist teilweise größer als bei persönlichen Gesprächen vor Ort, es muss sehr viel mehr vor- und nachbereitet werden. Dass dafür mehr Geld bereitgestellt werden muss, zeigt die aktuelle Erfahrung.

Zwei Aspekte sollte die Politik aus der Sicht der Diakonie in den nächsten Jahren besonders beherzigen, um die Arbeit der sozialen Träger zu unterstützen:

Zunächst geht es darum, eine breite Öffentlichkeit herzustellen und die Bevölkerung zu sensibilisieren für bestimmte soziale Themen. Dies ist beispielsweise gut gelungen im Blick auf Kinderarmut durch die Arbeit des Runden Tisches gegen Kinder- und Familienarmut, der seit Jahren alle beteiligten Akteure vernetzt und das Thema in das Bewusstsein der Stadtgesellschaft gebracht hat.

Zweitens wünscht sich Hamacher eine flächendeckende Ausweitung des Quartiersmanagements, das man durchaus auch anders nennen oder gestalten kann, das aber immer den Sinn haben soll, die lokale Nachbarschaft zu stärken und den Menschen zu vermitteln, dass sie selbst Einfluss auf die Qualität ihres Zusammenlebens im Quartier nehmen können.

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