Das Autonome Frauenhaus Bonn: Schutz vor Gewalt

Dieser Beitrag hat kein eigenes Titelbild. Kann er auch nicht haben, und damit sind wir bereits mitten im Thema. Frauenhäuser dürfen weder fotografiert werden, noch darf ihre Adresse an die Öffentlichkeit gelangen. Der Grund dafür ist einfach. Von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder sollen dort in Sicherheit vor ihren gewalttätigen Partnern sein, und dafür bedarf es größtmöglicher Anonymität.

Gewalt gegen Frauen und Kinder findet überall statt, in allen Gesellschaftsschichten, auf dem Land ebenso wie in der Stadt. Frauenhäuser haben sich die Aufgabe gestellt, betroffenen Frauen und ihren Kindern eine Zuflucht auf Zeit anzubieten. In der Regel rund um die Uhr gibt es dort Ansprache und, sofern das organisatorisch möglich ist, eine unkomplizierte Aufnahme. Die Frauen sollen dort zur Ruhe kommen und Schritt für Schritt ihre Zukunft vorbereiten. Manchmal führt der Weg zurück zum Partner, im Idealfall unter Bedingungen, die einen weiteren Ausbruch der Gewalt verhindern sollen. In der Regel aber ziehen die Frauen irgendwann weiter in eine eigene Wohnung und beginnen ein neues Leben.

Ich hatte heute Besuch von Eva R. und Marion K. vom Autonomen Frauenhaus Bonn. Autonom ist es deshalb, weil es anders als das zweite Frauenhaus in Bonn weder einer Partei oder Kirche nahesteht noch sich abhängig macht von einer Finanzierung über Tagessätze vom Jobcenter. Dadurch ist es möglich, auch Frauen aufzunehmen, die keinen eigenen ALG II-Anspruch haben, beispielsweise weil sie Geflüchtete sind und noch keinen eigenen Aufenthaltsstatus haben. Diese Freiheit des Autonomen Frauenhauses hat als Kehrseite eine quasi eingebaute Finanznot, die zu ständigen Verhandlungen mit Land und Stadt führt. Mich freut, dass das Frauenhaus von einer sehr guten Zusammenarbeit mit dem hiesigen Sozialamt spricht, das der wichtigste Ansprechpartner auf städtischer Seite ist.

Das große ungelöste Problem aber besteht seit Jahren darin, dass weder das Frauenhaus noch die beiden zusätzlich angemieteten Wohnungen auf dem Stadtgebiet barrierefrei sind. Dadurch ist es schlicht unmöglich, Frauen mit Mobilitätseinschränkungen aufzunehmen. Immer wieder gab es Ansätze, bestehende Gebäude zu kaufen und umzubauen oder mit verschiedenen Bauträgern einen Neubau anzugehen. Bisher jedoch haben sich alle Ansätze aus unterschiedlichen Gründen zerschlagen. Der jetzige Stand ist, dass es wieder Verhandlungen gibt zum Neubau eines Hauses. Bis allerdings das Projekt beschlossen oder gar realisiert ist, werden noch Jahre ins Land gehen.

Mich hat die heutige Begegnung mit den beiden Mitarbeiterinnen einmal mehr sehr beeindruckt. Sie antworten durch ihre Arbeit auf eine Not, die weiterhin mit einem Stigma besetzt ist, obwohl betroffene Frauen und ihre Kinder die Opfer von Übergriffen Ihnen nahestehender Menschen sind. Ohne ihren Ansatz wären die Frauen hilflos. Und die Kinder hätten keinen Ort, wo sie sich sicher fühlen und wieder Vertrauen zu Erwachsenen fassen könnten. Damit leisten die Frauenhäuser einen wichtigen Dienst an der Zukunft dieser Frauen und Kinder – und damit an der Zukunft unserer Gesellschaft. Ich bin nicht froh darüber, dass es Frauenhäuser braucht, aber ich bin sehr froh, dass es sie gibt.

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