Haus Müllestumpe: Gelebte Inklusion

Der Spielplatz unter der alten Platane ist noch nicht wieder so gut besucht wie ich es in Erinnerung habe, aber bis 17:00 Uhr ist das Lokal ja auch noch geschlossen. Wenn der Gästebetrieb beginnt, kann es hier ganz anders aussehen.

Mit Eva Kuzu, GRÜNE Direktkandidatin für den Wahlbezirk Auerberg/Graurheindorf, bin ich heute auf der #BonnTour2020 zu Besuch im Haus Müllestumpe. Wir möchten vom Geschäftsführer Carsten Bambarandage-Koch erfahren, wie das kleine Hotel/Restaurant sich während der Coronakrise schlägt. Das Haus Müllestumpe ist auch Arbeitsplatz für Menschen mit Lernbehinderungen und bekommt deshalb besondere Unterstützung bei den Personalkosten. Initiiert wurde dieses Projekt von einem Verein, der Menschen mit Behinderungen sichere Arbeitsplätze außerhalb einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung anbieten wollte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Hotel und Restaurant erfreuten sich bislang größter Beliebtheit, bis es wie viele andere gastronomische Einrichtungen auch von der Coronakrise ausgebremst wurde.

Hotel und Restaurant waren seit Mitte März wochenlang geschlossen, die Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Jetzt läuft der Betrieb langsam wieder an. Das Restaurant wird für Hochzeiten und geschlossene Gesellschaften gebucht, aber die alten Öffnungszeiten können noch nicht wieder eingehalten werden – manchmal übersteigen die Ausgaben des Tages die Einnahmen. Die Wiederaufnahme des Betriebes wird erschwert durch teilweise widersprüchliche, ja unsinnige Schutzmaßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie. So kann man in einer größeren Gruppe wieder ohne Abstand gemeinsam feiern und muss dabei keine Maske tragen. Sobald aber im gleichen Raum das Buffet aufgesucht wird, herrscht Maskenpflicht, und man muss sich die Hände desinfizieren. Eine Herausforderung auch für die Servicemitarbeiter*innen.

Das Hotel selbst hat in den vergangenen Jahren zunehmend bessere Zahlen geschrieben. Bei Geschäftsreisenden erfreut es sich großer Beliebtheit und ist häufig ausgebucht. Zusätzlich zum Hotel- und Restaurantbetrieb haben sich zusätzliche Publikumsmagneten wie der regelmäßige Grillabend und ein Repaircafé etabliert. Auf diese Weise wurde das Haus Müllestumpe zum Treffpunkt für Jung und Alt nicht nur aus der näheren Umgebung. Dazu trägt mit Sicherheit der wunderbare Park bei, der von alten Bäumen geprägt ist. Kehrseite der Schönheit ist die Verpflichtung der Betreibergesellschaft, Bäume und Spielplatz auf eigene Kosten zu pflegen. Im Gegenzug und um diesem inklusiven Projekt den Start überhaupt erst zu ermöglichen, hat die Stadt das Areal und das Gebäude der Gesellschaft mietfrei überlassen 2025 läuft diese Vereinbarung mit der Stadt Bonn aus. Spätestens dann wird sich zeigen, ob das in Bonn einzigartige Projekt fortgeführt werden kann. Wir hoffen, dass das klappt, denn das Haus Müllestumpe ist nicht nur ein wichtiger Treffpunkt für den Stadtteil Auerberg, sondern ein Leuchtturm für Inklusion und Begegnung.

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